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| WAZ-Interview mit Heinz Stupp |
12.02.2008 um 17:15 Uhr |
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"Wir wollen stärker auftreten"
Seit Anfang des Jahres ist Heinz Stupp Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes der Eisen- und Metallindustrie Emscher-Lippe. WAZ-Redakteur Michael Muscheid sprach mit dem 63-Jährigen, seit 2000 Geschäftsführer des Schalker Automobilzulieferers TRW Automotive.
Herr Stupp, was reizt Sie am Chefposten eines elitären Unternehmerclubs? Stupp: Was haben Sie gegen Eliten? Wenn eine Gesellschaft glaubt, auf Eliten verzichten zu können, dann landet sie schnell im Mittelmaß. Im Übrigen: Wir sind ja nicht nur kalte Kapitalisten, und die Betonung auf den Konflikt Kapital gegen Arbeit greift zu kurz. Wir vertreten die Interessen unserer Mitglieder.
. . .das macht auch die IG Metall. . . Stupp: Ja, aber die Gewerkschaft macht nur etwas für ihre Klientel, also die, die einen Job hat. Aber nichts für die Menschen, die in Brot und Arbeit wollen. Das ist der Unterschied: Der Arbeitgeberverband und seine Unternehmen tragen eine große Verantwortung für die Gesellschaft.
Wie drückt sich die aus? Stupp: Wir nehmen unsere Verantwortung den Mitarbeitern, aber auch der Kommune gegenüber ernst. Auf der einen Seite müssen wir in den Unternehmen rechtzeitig Arbeitsstrukturen schaffen, um im Zeitalter der Globalisierung wettbewerbsfähig zu bleiben. Auf der anderen Seite engagieren wir uns etwa in der Wirtschaftsinitiative. Und wir wollen nun verstärkt in die Schulen gehen, um dort unsere Position zu verdeutlichen.
Die da wäre? Stupp: Die Wirtschaft muss Anforderungen an die Schüler stellen, und damit sie die erfüllen können, müssen sie sich anstrengen. Mein Appell an die Jugendlichen: "Versaut nicht eure Zukunft, bevor sie angefangen hat!" Stichwort "wettbewerbsfähig bleiben".
Das heißt: niedrige Löhne und Verlagerung weiterer Arbeitsplätze? Stupp: Die Verlagerung von Arbeitsplätzen ist nicht unser Hauptanliegen. Überhaupt: Eine Gerechtigkeitsdebatte bringt nichts, außer bloßen Populismus. Wir müssen vielmehr Strukturen schaffen, damit die Beschäftigten ihre Jobs behalten können und besser noch weitere Arbeitsplätze geschaffen werden. Das heißt auch: Man kann hier nicht, wie die IG Metall, acht Prozent mehr Lohn fordern, wenn in Polen oder Ungarn billiger produziert wird. Und man darf ungelernte Arbeit nicht zu teuer machen. Mindestlöhne sind politisch der völlig verkehrte Weg.
Können Sie die Nokia-Mitarbeiter verstehen, die vom Aus bedroht sind?Stupp: Ich kann beide Seiten verstehen. Aber wir dürfen uns nichts vormachen: Unternehmen können in ihren wirtschaftlichen Entscheidungen nicht nur Rücksicht auf regionale Besonderheiten nehmen. Hier ist die Politik gefragt, sie muss Strukturen schaffen, damit Unternehmen am Standort bleiben und wirtschaftlich produzieren können.
Also hat die Nokia-Spitze richtig gehandelt? Stupp: Nicht in jeder Hinsicht. Die Ankündigung zum Aus für den Standort kam zu kalt rüber. Aber nochmal: Einfache Lösungen kann es hier nicht geben. In der Vergangenheit war es ruhig um Ihren Verband.
Trügt der Eindruck? Stupp: Nein, er war etwas zurückhaltend. Das liegt auch daran, dass die großen Unternehmen nicht mehr tarifgebunden sind und sich verabschiedet haben. Wir wollen künftig stärker auftreten.
Und wie? Stupp: Wir brauchen eine stärkere regionale Abstimmung. Als Arbeitgeberverband in Gelsenkirchen sind wir klein, wenn wir regional mit einer Stimme sprechen, haben wir ein größeres Gewicht - und somit auch eine stärkere Position in der Politik, gegenüber den Gewerkschaften und bei Tarifabschlüssen. |
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