Personalaustausch im großen Stil
05.01.2010 um 15:48 Uhr
 

Gelsenkirchen. Die Idee des Arbeitgeber-Tauschs haben die Arbeitgeber Ruhr und die IG Metall jüngst in einem Krisen-Tarifvertrag verankert. 350 Metall- und Elektrobetriebe zwischen Dortmund und Duisburg könnten davon profitieren.

Lieber verleihen als entlassen, lieber leihen als einstellen – das sichert Stellen und hilft Firmen, Auftragsspitzen abzuarbeiten oder eben auch, Auftrags-Ausfälle abzufedern. Die Idee des Arbeitgeber-Tauschs haben die Arbeitgeber Ruhr und die IG Metall jüngst in einem Krisen-Tarifvertrag verankert.
350 Metall- und Elektrobetriebe zwischen Dortmund und Duisburg könnten davon profitieren. „Wer im Verband ist, kann mitspielen”, sagt Christopher Schmitt. Der Geschäftsführer der Arbeitgeberverbände Emscher-Lippe kann sich „sehr gut vorstellen, dass Firmen aus unserem Beritt teilnehmen werden. Die Verbände werden das koordinieren und helfen, dass sie zusammenfinden.”

Dass Beschäftigte ohne Mitspracherecht beim Personaltausch wie auf dem Verschiebebahnhof hin- und herbugsiert werden, ist nicht zu befürchten – zumindest wenn sie in einem Unternehmen mit Betriebsrat arbeiten. „Es gilt die doppelte Mitbestimmung”, macht Jörn Meiners deutlich. „Der aufnehmende und abgebende Betriebsrat müssen dem zustimmen.”

Im Moment, stellt der IG Metall Gewerkschaftssekretär fest, sei das Instrument der Wahl jedoch noch die Kurzarbeit. „Ich wüsste kein Unternehmen, das sagt: wir haben Arbeitsspitzen. Aber wenn die Konjunktur anzieht, kann es sein, dass sich das ändert.” Zumal es die Branchen unterschiedlich erwischt habe. „Maschinenbauer hat die Krise zuletzt getroffen, sie werden auch als letzte aus der Krise kommen, wenn es in den Produktionsbetrieben schon wieder läuft.” Aber eigentlich, räumt Meiners ein, sei es zu früh für belastbare Prognosen. „Im Moment ist das eher wie ein Blick in die Glaskugel.”

„Das ist damals nicht so recht gelebt worden”
Die Grundidee ist nicht neu. „Wir hatten so einen Tarifvertrag schon einmal in Gelsenkirchen, 2006 wurde er geschlossen und gilt auch innerhalb der Stadt noch weiter, hat aber bislang keine große Resonanz erfahren. Er ist damals nicht so recht gelebt worden.” Aber das sei auch kein Wunder, glaubt Meiners. „Wir hatten eine Boomphase, da tauscht man sich nicht aus.”

Die Zeiten haben sich geändert. „Nun ist der Pool größer geworden. Damit wächst die Wahrscheinlichkeit, dass man zwei findet, die zueinander passen”, sagt Schmitt. Der Anstoß, den Austausch breiter aufzustellen, kam von den Arbeitgeberverbänden Emscher-Lippe. Schmitt: „In der Tat hatten wir den Vertrag. Aus Gelsenkirchen kam der Anstoß, das über die Verbandsgrenzen auf das Ruhrgebiet auszudehnen.” Als Instrument, „das der Krisenbewältigung dient und den Arbeitsplatz und das Entgelt der Kollegen sichert”, sieht Jörn Meiners den Vertrag. „Das geht nicht von heute auf morgen. Aber die Firmen müssen sich trauen.”

Auf den Faktor Zeit setzt Christopher Schmitt: „Wir sind in einem frühen Stadium und rühren noch die Werbetrommel.”

(WAZ, 23.12.2009)






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