Speisen international im Kau-Saal
Speisen international im Kau-Saal
24.10.2011 um 17:25 Uhr
 

Kirchhellen. Vieles hat sich geändert mit dem Abschied der Amerikaner als Inhaber des Movie Parks. „Früher war hier schon so etwas eine Mauer um den Park“, kleidet es Geschäftsführer Wouter Dekkers in eine Metapher. Einblicke „backstage“ waren so gut wie unmöglich, sechs Jahre dauerte es, bis sich im Filmpark ein Betriebsrat gründen konnte. Und Auszubildende waren den Amerikanern schlichtweg zu teuer.

Amerikanische Verhältnisse eben.

Und heute: Der Park verfügt über einen neunköpfigen Betriebsrat, aktuell werden 14 Jugendliche in acht Berufen ausgebildet, die treuesten Mitarbeiter werden auf einem Fest geehrt, und in dieser Parksaison wird erstmals der „Mitarbeiter des Jahres“ gekürt. „Es ist unglaublich schön zu sehen, wie sich das Arbeitsklima verbessert hat“, schwärmt Wouter Dekkers während des Besuches der Geschäftsführung der Arbeitgeberverbände Emscher-Lippe (AEL). Und er schwärmt nicht etwa nur von der Jubilarfeier auf dem Schmücker Hof, auch von dem unbüro-kratischen Umgang mit dem Betriebsrat, den Mitarbeitern allgemein, „wir reden über alles, machen aber nicht jedes Mal ein Protokoll. Oft sind es ja nur Kommunikationsfehler.“

Der 220 Mitglieder starke AEL startet im Movie Park eine neue Präsentation im Einzugsgebiet seines Verbandes. Von Bottrop bis Waltrop werden der WAZ Firmen vorgestellt – aus der Sicht des Arbeitgebervertreters. Geschäftsführer Dr. Christopher Schmitt unterstreicht am Beispiel Movie Park etwa den logistischen Riesenaufwand eines Saison-betriebes, allein bei der Bewerberflut. „Mehr als 2000 Briefe werden bearbeitet und auch beantwortet“, ergänzt Dekkers. Erst nach einem Mitarbeiter-Casting folgt der individuelle Vertrag für die Saisonalen: 80 Stunden, 100 Stunden, 120 Stunden . . .

1139 Saisonarbeiter
2011 sind es exakt 1139 Saisonmitarbeiter, dem stehen 91 Festangestellte gegenüber. Bei so vielen Leuten geht natürlich mal was schief. Zum Beispiel, wenn Mitarbeiter nicht zur Arbeit erscheinen, aber trotzdem Lohn beanspruchen, weil sie ja einen gültigen Vertrag besitzen. Dann treffen sich beide Seiten vor dem Arbeitsgericht wieder. Aber vergleichsweise selten. „Nur ein bis zwei Arbeitsgerichtsprozesse im Jahr“, lobt Dr. Christopher Schmitt, „das ist unglaublich wenig in dieser Größenordnung. Selbst viel kleinere Betriebe registrieren wir mit einer wesentlich höheren Zahl an Verfahren.“

Probleme mit „Multikulti“ seien über den Park nicht bekannt. „Menschen aus 36 Nationen arbeiten hier“, staunt Carsten Mohn, stellv. AEL-Geschäftsführer. Rassistische Ausfälle habe es nie gegeben. Stattdessen wird z.B. mit einem Gebetsraum der islamischen Religion Rechnung getragen. In der Firmenkantine, dem „Kau-Saal“, steht ein breites internationales Angebot auf der Speisekarte. Und 2010 unterschrieb der Movie Park die „Charta der Vielfalt“.


WAZ, 21.10.2011





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