Wirtschaft im Ruhrgebiet bleibt verhalten optimistisch
31.07.2012 um 09:00 Uhr
 

Umfrage bei 330 Unternehmen: Konjunktur-Aufschwung hält an, wird aber verhaltener /
Raymond Opszalski: „M+E-Industrie wird ihren Wachstumskurs mit gebremster Zuversicht fortsetzen”
Gelsenkirchen. Die Wirtschaft im Ruhrgebiet blickt überwiegend positiv gestimmt auf das 1. Halbjahr 2012 zurück: Das ist das Ergebnis des aktuellen Konjunkturbarometers der Arbeitsgemeinschaft arbeitgeber ruhr, zu der die Arbeitgeberverbände aus Bochum, Dortmund, Duisburg, Essen und Gelsenkirchen zählen. Mehr als 330 Ruhrgebietsfirmen mit insgesamt rund 90.000 Beschäftigten schickten die ausgefüllten Fragebögen zurück, die getrennt nach Metall- und Elektroindustrie ausgewertet wurden. Gegenüber der Herbst-Umfrage haben sich die Ergebnisse leicht verschlechtert, sind aber immer noch auf Aufschwung-Niveau. Für das 2. Halbjahr 2012 zeigen sich die Unternehmen verhaltener optimistisch. Raymond Opszalski, Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes der Eisen- und Metallindustrie Emscher-Lippe e. V., sieht dennoch keinen Anlass, wüste Rezessionsszenarien zu zeichnen: „Trotz der leichten Konjunkturernüchterung ist die Wirtschaft im Ruhrgebiet weiter auf stabilem Kurs. Der Konjunktur-Aufschwung hält an, flacht aber ab. Entsprechend verhaltener gibt sich denn auch die M+E-Industrie, die ihren Wachstumskurs aber mit gebremster Zuversicht fortsetzen wird“, betont Raymond Opszalski. Darauf deute besonders die nach wie vor hohe Investitionsbereitschaft hin.

Die Ergebnisse der Befragung in der Zusammenfassung:

Umsatz und Ertrag: Verbesserte Ertragssituation
Bei Auftragseingang und Umsatz ergibt sich branchenübergreifend eine Mehrheit von 61 bzw. 59 Prozent der befragten Unternehmen, die bessere oder gleich bleibend gute Ergebnisse im Vergleich zum 2. Halbjahr 2011 einfahren konnten. Dennoch zeigt sich, dass der Höhepunkt des Aufschwungs überschritten ist: Vor einem halben Jahr lag dieser Anteil mit 68 Prozent sichtbar höher. Weiterhin erfreulich, sogar mit Verbesserungstendenz, ist die aktuelle Ertragssituation der Unternehmen: Nur noch ein Sechstel der befragten Unternehmen klagen über schlechte Erträge, 31 Prozent der Befragten vermelden gute Erträge, die Hälfte (50 Prozent) ist zufrieden. Vor einem halben Jahr lag der Anteil der Positiv-Meldungen noch sechs Prozentpunkte niedriger. Mehr als 80 Prozent der befragten Firmen bewerten ihre derzeitige Geschäftslage als „gut“ bzw. „befriedigend“.
Etwas verschlechtert hat sich die Situation im Bereich der Metall- und Elektroindustrie: Hier liegt der Anteil der Positiv-Meldungen bei den Parametern „Auftragseingang“ und „Umsatz“ bei 65 bzw. 58 Prozent und damit um mehr als zehn Prozentpunkte niedriger als vor einem halben Jahr, damit aber auf dem Niveau der Gesamtwirtschaft.
Arbeitsmarkt und Ausbildung: Beschäftigungssaldo deutlich im Plus
Branchenübergreifend ist der Beschäftigungssaldo im 1. Halbjahr 2012 (zwölf Prozent Abbau, 58 Prozent Aufbau) weiterhin deutlich im Plus, sogar mit steigender Dynamik gegenüber dem Ergebnis von vor einem halben Jahr (acht zu 36 Prozent). Nur drei Prozent (M+E: vier Prozent) müssen weiterhin Kurzarbeit fahren. Auffällig ist der gegenüber dem Herbst wieder deutlich gestiegene (27 gegenüber 15 Prozent) Mehrarbeitsbedarf (M+E: 25 Prozent). Das Thema „Zeitarbeit“ spielt bei lediglich knapp sieben Prozent (M+E: sechs Prozent) der befragten Unternehmen eine Rolle. Etwas weniger positiv ist der Beschäftigungssaldo in der Metall- und Elektroindustrie (18 Prozent Abbau, 29 Prozent Aufbau). Dennoch ist das eine Verstetigung der bereits guten Verhältnisse aus dem Herbst 2011 (neun zu 30 Prozent).
Fachkräftemangel
Branchenübergreifend beklagen im Juli dieses Jahres 19 Prozent der befragten Unternehmen aktuell Fachkräftemangel. Dies ist ein deutlich höherer Anteil als in der Herbstumfrage (13 Prozent), allerdings ein ähnlicher Wert wie vor Jahresfrist (18 Prozent).
Prognose 2012: Fortdauernder Optimismus – allerdings verhaltener
Branchenübergreifend überwiegen bei den Konjunkturprognosen die optimistischen Rückmeldungen: 71 Prozent der Befragten rechnen für die nächsten sechs Monate mit gleichbleibend guten oder besseren Geschäften, 65 Prozent mit besseren bzw. gleichbleibend guten Inlandsaufträgen. Das sind allerdings jeweils mehr als zehn Prozentpunkte weniger optimistische Rückmeldungen als vor einem halben Jahr. Relativ optimistische Rückmeldungen auch bei der Investitionsprognose: 61 Prozent der Befragten (Frühjahr: 62 Prozent) rechnen – im Vergleich zum Vorjahr – mit einer Zunahme bzw. mit gleichbleibend hohen Investitionen, nur 18 Prozent mit einer weiteren Abnahme.
Weniger optimistisch sind die Prognosen für den Bereich der Metall- und Elektroindustrie: Knapp zwei Drittel der Befragten (60 Prozent) rechnen in den nächsten sechs Monaten mit allgemein besseren oder gleichbleibend guten Geschäften. Allerdings zeigt sich hier eine hohe Investitionsbereitschaft (58 Prozent investieren mehr bzw. gleichbleibend gegenüber 2011).

Arbeitsmarktprognosen: Positivsaldo bei Beschäftigung
Ein vergleichbar positives Bild zwischen Metall- und Elektroindustrie einerseits und der branchenübergreifenden Betrachtung andererseits ergibt sich bei den Arbeitsmarktprognosen für das 2. Halbjahr 2012: Branchenübergreifend setzt sich der Positivsaldo bei der Beschäftigung fort: fünf Prozent Abbau stehen 17 Prozent Aufbau gegenüber. Das ist zwar gegenüber dem Frühjahr eine Verschlechterung, aber immer noch ein deutliches Plus. Erfreulich ist auch der Blick auf die Ausbildungsplatzperspektive: Fast drei Viertel der Unternehmen (71 Prozent) signalisieren Stabilität, der Saldo zwischen Abbau und Aufbau (fünf zu 15 Prozent) ist nur geringfügig gegenüber der Frühjahrs-Umfrage gesunken.
Fazit: Verhaltene Aufschwung-Stimmung
Die aktuellen Konjunktur-Parameter für das 1. Halbjahr 2012 tragen auch weiterhin das Gesicht des Aufschwungs. Die Metall- und Elektroindustrie liegt bei der Umfrage erstmals seit mehreren Jahren im Trend der Gesamtwirtschaft. Gleichzeitig hat sich der Anteil der Positivmeldungen gegenüber der Herbstumfrage zumeist vermindert. „Dies belegt, dass der Höhepunkt des konjunkturellen Aufschwungs hinter uns liegt“, so Raymond Opszalski. „Sehr erfreulich zeigt sich aber der Ruhr-Arbeitsmarkt, mit Zuwächsen sowohl bei den Arbeits- als auch bei den Ausbildungsplätzen. Der Beschäftigungssaldo ist weiterhin positiv.“
Die Geschäftserwartungen liegen zumindest bei der Gesamtwirtschaft mit einem Anteil von Positivmeldungen von mehr als 65 Prozent relativ gut, wohingegen die Metall- und Elektroindustrie zurückhaltender ist (59 Prozent Positivmeldungen). „Die Konjunkturprognosen für das zweite Halbjahr 2012 sind verhalten positiv, dennoch wächst bereits die Verunsicherung in Unternehmen“, so Opszalski.
19 Prozent der befragten Firmen beklagen aktuell einen Fachkräftemangel, 35 Prozent sehen in den nächsten drei Jahren Fachkräftebedarf. „Im Hinblick auf den demografischen Wandel zeigt dies, dass der Fachkräftemangel unaufhaltsam in den gesellschaftspolitischen Diskurs drängt“, so Raymond Opszalski. In den Unternehmen werde der strategische Umgang mit dem Fachkräftebedarf immer zentraler. „In einigen Unternehmen gibt es Nachholbedarf beim strategischen Umgang mit diesem brennenden Zukunftsthema. Die Verbände bieten den Unternehmen hier bereits intensive Beratungen zur Unterstützung an“, so Raymond Opszalski.
arbeitgeber ruhr
Die Arbeitsgemeinschaft von „arbeitgeber ruhr“ besteht aus den Arbeitgeberverbänden des Ruhrgebiets mit den Verbandssitzen in Bochum, Dortmund, Duisburg, Essen und Gelsenkirchen mit zusammen 17 Arbeitgeberverbänden. Diese organisieren fast 2.200 Mitgliedsunternehmen mit etwa 250.000 Beschäftigten. An allen Verbandsstandorten befinden sich Metallarbeitgeberverbände, die zusammen etwa 310 Mitgliedsunternehmen mit rund 60.000 Beschäftigten organisieren.
„arbeitgeber ruhr“ führen seit dem Jahre 2002 im Herbst – seit 2005 zusätzlich auch im Frühjahr – gemeinsame Konjunkturumfragen zur Geschäfts- und Wirtschaftslage sowie zur Personalsituation der Mitgliedsunternehmen durch. Die aktuelle Umfrage ist somit die achtzehnte ihrer Art.




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