Vom Massenproduzenten zum Spezialisten
Vom Massenproduzenten zum Spezialisten
06.11.2012
 

Euroquarz baut nur noch die Hälfte der Menge Quarzsand in der Kirchhellener Heide ab. Der Umsatz und die Anzahl der Mitarbeiter sind im Dorstener Unternehmen aber gleich geblieben

Dorsten/Kirchhellen. Wer mit begrenzten Vorkommen arbeitet, muss sparsam haushalten. In den drei Jahren seit ihrem Verkauf an den Lübecker Possehl-Konzern hat die Euroquarz-Firmengruppe sich deshalb weiter vom Massenproduzenten zum Spezialisten gewandelt. Obwohl nur noch die Hälfte der Menge Quarzsand in der Kirchheller Heide abgebaut wird wie zu Spitzenzeiten in den 1990er Jahren, sind Umsatz (rund 19 Mio € pro Jahr) und Mitarbeiterzahl (108, davon 13 Auszubildende) des Dorstener Werks an der Bestener Straße stabil geblieben.
„Wir sind der einzige Lohnhersteller auf der Basis von Quarzkies“, erklärte Geschäftsführer Dr. Olaf Enger beim Besuch von Vertretern der Arbeitgeberverbände Emscher-Lippe. „Unsere Nische“ nennt Geschäftsführer Günter Lehmen die Herstellung von Spezialmörteln, Fliesenklebern und Estrichmassen, die Euroquarz produziert nach den Anforderungen und Rezepturen verschiedenster Auftraggeber in aller Welt. Auch gefärbt und verpackt wird im Auftrag, ganz nach Kundenwunsch. „Selbst eine Flasche Wasser für die Mischung verpacken wir mit einer Mörteltüte“, beschreibt Lehmen einen Auftrag.

22 verschiedene Sorten

Neben 22 verschiedenen Sorten Quarzsand und Quarzkies, die aus den Gruben am Flugplatz Schwarze Heide nach Östrich gefahren, gewaschen, gesiebt und getrocknet werden, stehen drei Mischanlagen für bis zu 34 verschiedene Komponenten zur Verfügung. Rund 250 unterschiedliche Rezepturen werden derzeit in Dorsten produziert.

Im werkseigenen Labor können die Produkte etwa auf Härtegrad, Druck-, Zug- und Standfestigkeit, Aushärtezeiten und andere Eigenschaften getestet werden. „Das ist wichtig, wenn sie etwa in Brücken oder anderen Bauwerken eingesetzt werden“, erklärt Günther Lehmen. Mit der Entwicklung ist die Werksleitung sehr zufrieden. „Die Lohnfertigung macht mittlerweile etwa die Hälfte unseres Umsatzes aus“, erklärt Dr. Olaf Enger.

Der Handel mit Quarz-Fertigprodukten bleibt das weitere wichtige Geschäftsfeld. Für die Sande und Kiese (mehr als 0,5mm Korngröße) mit hohem Siliziumdioxid-Gehalt (rund 96 %) gibt es viele Einsatzbereiche: Auch in Großbritannien und Südamerika bremsen Schienenfahrzeuge mit Lok-Streusand aus Dorsten, im Nahen Osten und in Nordafrika werden Wasserwerke mit Filterkiesen aus der Kirchheller Heide betrieben und in die GUSStaaten liefert Euroquarz Kiese für Brunnenprojekte. Die Freizeitwirtschaft setzt den Quarzsand ein auf Reit- und Golfplätzen, für Beachvolleyball-Felder und künstliche Strände sowie auf Kunstrasen-Flächen.

Von Martin Ahlers

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