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Knorpeltherapie

Knorpeltherapie Abb. 1a: Großflächiger Knorpelschaden im Knie. Knorpeltherapie Abb. 1b: Nach Rekonstruktion mit MACI (Matrix-gestützter autologer Chondrozyten Implantation). Abb. 2: Massive Verschleißerkrankung des Kniegelenkes. "Abgefahrener" Knorpel führt zu direktem Kontakt zwischen Ober- und Unterschenkelknochen.

Der Mensch ist im Bereich der meisten Gelenke mit einer Schicht bestehend aus hyalinem Knorpel ausgestattet. Dieses hochspezialisierte Gewebe ist aufgrund des hohen Wassergehaltes in der Lage, in Kombination mit der Gelenkflüssigkeit reibungsfreie Bewegungen wie auch eine Stossdämpfung in den Gelenken zu gewährleisten. Mit zunehmender Beanspruchung und Alter verliert das Knorpelgewebe seine elastischen Eigenschaften, im wesentlichen aufgrund des Wasserverlustes, und es kommt zu Gelenkverschleiß (Arthrose). Der resultierende Abrieb der Gelenkoberfläche führt zu Reizzuständen des betroffenen Gelenkes mit Schmerzen, Schwellung und Bewegungseinschränkungen. Jeder zweite Bürger über 60 Jahre weist solche Veränderungen auf.

Eine weitere Untergruppe stellen die unfallbedingten Knorpelschäden, wie sie zum Beispiel häufig beim Sport auftreten können, dar. Hier führt eine punktuelle Über- oder Scherbelastung zu einem isolierten Knorpelschaden, der vergleichbare Probleme bis hin zu Einklemmungserscheinungen verursachen kann. Man kann den Knorpel mit einer Bereifung am Auto vergleichen, nur dass, wenn der Reifen einmal abgefahren ist und der betroffene Patient "auf der Felge läuft", eine gleichwertige Ersatzbereifung derzeit nicht möglich ist. Obwohl intensive wissenschaftliche Bemühungen im Gange sind, gibt es trotz anders lautender Pressemeldungen (noch) keinen gleichwertigen Ersatz für zerstörten Knorpel.

Der Behandlungspfad beginnt meist mit entzündungshemmenden Medikamenten und Krankengymnastik/Physikalischer Therapie. Die gezielt medikamentösen Knorpelbehandlungen, ob sie in Tablettenform oder als Spritzen ins Gelenk verabreicht werden, streben alle eine Stabilisierung des noch bestehenden Knorpels an. Somit ist die logische Voraussetzung, dass diese Behandlungsmaßnahmen am ehesten in den frühen Phasen des Knorpelverlustes hilfreich sein können. Generell soll ein Fortschreiten der Veränderungen und die Beschwerdesymptomatik angegangen werden.

Im Rahmen der operativen Maßnahmen, z.B. im Rahmen einer Gelenkspiegelung (Arthroskopie) kann man eine Reparatur des Schadens anstreben, welches aber nur in minderwertigem Gewebe, welches langfristig hohen Beanspruchungen nicht standhalten kann, mündet. Knorpelersatzverfahren, wie der Transfer von Knorpel-Knochenzylindern oder die Transplantation von gezüchteten Knorpelzellen (Abb. 1 a, b), streben ein hochwertigeres Ersatzgewebe an, münden aber bestenfalls in einem hyalinartigem Gewebe. Diese Versorgungsformen im Sinne der Knorpelersatzverfahren haben sich vor allem bei unfallbedingten, isolierten Knorpelschäden, durchgesetzt, können aber kein verschlissenes Gelenk neu "Bereifen" (Abb. 2). Somit bleiben die rekonstruktiven Knorpelersatzverfahren speziellen Indikationen vorbehalten, auch wenn nicht in allen Fällen von einer Kassenleistung auszugehen ist.

Alle beschriebenen knorpeltherapeutischen Maßnahmen sind aber nur erfolgsversprechend, wenn eine physiologische Beinachse sowie ein bandstabiles Gelenk vorliegt. Wenn der Knorpelschaden zu weit fortgeschritten ist, kommt unter Umständen nur noch ein Gelenkersatz in Frage. Die Entscheidung, welches Vorgehen im Einzelfall am besten geeignet ist, kann häufig erst intraoperativ gefällt werden, so dass alle Versorgungsformen vorzuhalten sind.