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Knorpeltransplantation

Matrix-assoziierte Chondrozytenimplantation (MACI)

Knorpelzellen
Abb. 1: Knorpelzellen

Lange Zeit galten vollschichtige Gelenkknorpelschäden als unheilbar. Erst die schwedische Forschergruppe um Brittberg und Petersen (Malmö) konnten 1989 zeigen, dass sich auch Knorpelzellen in geeigneter Nährlösung vermehren und zur Bildung neuer Knorpelsubstanz anregen lassen.

Für jüngere Patienten (16-50 Jahre), bei denen ein endoprothetischer Gelenkflächenersatz möglichst zu vermeiden ist, wurde deshalb mit der ACT: autologe Chondrozytentransplantation ein Verfahren entwickelt, bei dem zunächst durch eine Arthroskopie (Kniespiegelung) kleine, ca. 3mm große Knorpelstücke aus unbelasteten Arealen entnommen und zur Chondrozytenanzüchtung in ein Speziallabor geschickt werden. Dort erfolgt in sterilen Inkubatoren die Isolierung und anschließende Vermehrung der Knorpelzellen.
Nach 3 Wochen wurden die angezüchteten ca. 15-20 Millionen Knorpelzellen in einer flüssigen Lösung an die Klinik zurückgesandt und dort in den Knorpeldefekt injiziert, nachdem zuvor auf den Defekt ein Periostlappen (transplantierte Knochenhaut) möglichst wasserdicht eingenäht worden war.

Labor der Fa. co.don
Abb. 2: Labor der Fa. co.don in Berlin

Die ACT wurde seit 1998 vom Oberarzt W. Zoch in unserer Klinik (damals noch unter der Leitung von Prof. Dr. med. P. Lobenhoffer) in Zusammenarbeit mit der Fa. co.don (Berlin) angewendet.

Seit 2004 ist das Verfahren durch Einführung einer Kollagenmatrix, die dreidimensional mit den Chondrozyten beschichtet und anstelle des Periostlappens in den Defekt paßgenau eingenäht wird, verbessert worden. Insbesondere gehen bei dieser Matrix-assoziierten Chondrozytenimplantation (MACI) keine Chondrozyten mehr verloren und die beim Periost beobachteten Verkalkungen werden vermieden.

Mit über 300 Chondrozytentransplantationen, die engmaschig nachuntersucht wurden, verfügen wir mittlerweile an unserer Klinik über ein großes Maß an Erfahrungswerten und gehören damit bundesweit zu den Zentren für Knorpeltransplantationen.
Bei geeigneter Indikation (umschriebene Knorpeldefekte, keine Achsenfehlstellung, keine fortgeschrittene Arthrose, keine Entzündungen) liegt die Erfolgsquote und Patientenzufriedenheit bei 80-90%. Dies entspricht auch den Ergebnissen der bisher publizierten Studien.

Die besten Ergebnisse werden bei Knorpelschäden an den Condylen (Oberschenkelrollen) erzielt, insbesondere bei der Osteochondrosis dissecans. Dabei sind auch große (bis 12 cm²) und tiefe (bis 15mm) osteochondrale Defekte erfolgreich behandelt worden.

Einlegen der Matrix
Abb. 3: Einlegen der Matrix-assoziierte Chondrozytenimplantation

Die in der Literatur etwas schlechteren Ergebnisse an der Patella (Kniescheibe) mit 60-80% erklären sich dadurch, dass vor der MACI zunächst die Ursache der Knorpelschädigung (meist durch Scherkräfte bei nicht zentrierten Patellaführung, sog. „Maltracking“) analysiert und behoben werden muß. Wird dies beachtet, dann liegen die Erfolgsquoten auch an der Patella bei 80-90%.
Wir haben bisher bis auf 2 revisionsbedürftige p. o. Hämatome keine schwerwiegenden Komplikationen beobachtet, insbesondere keine Infekte und keine Transplantatablösungen.

Unsere Klinik arbeitet seit 2005 mit dem Labor der Fa. TeTec (Reutlingen) zusammen. Die bei der Chondrozytenanzüchtung entstehenden Laborkosten sind bei uns durch die Erstattung im DRG-System abgedeckt, d. h. es ist vom Patienten keine Zuzahlung zu leisten.

Die Matrix-assoziierte Chondrozytentransplantation (MACI) wird bei über 4cm² großen, vollschichtigen Knorpeldefekten im Kniegelenk (unter Berücksichtigung der Kontraindikationen) von der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie als Therapie erster Wahl empfohlen.


Osteochondrale, autologe Transplantation (OATS)

OATS
Abb. 4: Osteochondrale, autologe Transplantation (OATS)

Bei kleineren (< 3 cm²) vollschichtigen Knorpeldefekten steht als Alternative am Knie- und Sprunggelenk die osteochondrale, autologe Transplantation (OATS) zur Verfügung.
Dabei werden in einem Eingriff mit Hohlstanzen 7-12 mm Durchmesser große Knorpelknochenzylinder aus unbelasteten Gelenkarealen entnommen und in den Defekt eingestößelt. Dies kann, wenn nur 1-2 OATS-Zylinder erforderlich sind, minimal-invasiv (arthroskopisch) erfolgen.

Bei größeren Knorpeldefekten sind mehrere OATS-Zylinder erforderlich („Mosaikplastik“). Wegen der dann nicht mehr zu vernachlässigenden Beschwerden im Entnahmebereich wird an unserer Klinik in der Regel dann nicht eine Mosaikplastik, sondern die MACI durchgeführt.


Kontakt

eMail: werner.zoch@henriettenstiftung.de

Knorpelsprechstunde
montags von 08:00 - 16:00 Uhr,
telef. Anmeldung: 0511 289-2631