Therapie der medialen Gonarthrose
Gelenkerhaltende Massnahmen: Umstellungsosteotomien
Fehlstellungen der Beinachse (sog. O-Bein oder X-Bein) führen zu einer vermehrten einseitigen Belastung des Kniegelenks (beim O-Bein an der Knieinnenseite; beim X-Bein an der
Knieaußenseite) und damit zu vorzeitigem Gelenkverschleiß (Arthrose) mit Belastungsschmerzen im betroffenen Gelenkareal.
Durch eine Umstellungsosteotomie erfolgt eine Achsenkorrektur, so dass die Beinachse in das noch intakte Gelenkkompartiment verlagert wird. Bei der Varusfehlstellung (dem sog. O-Bein)
wird durch eine valgisierende Umstellung die Hauptbelastungsachse nach aussen verlagert, während bei einer Valgusfehlstellung (dem sog. X-Bein) die Hauptbelastungsachse nach innen
verlagert wird.
Dadurch werden die Belastungsschmerzen deutlich reduziert und der weitere Knorpelverschleiß auf der erkrankten Knieseite verzögert, so dass der endoprothetische Ersatz des
Kniegelenks vermieden werden kann.
Bei der valgisierenden (O-Bein zu X-Bein) Umstellung erfolgt wegen des geringeren Operationstraumas (keine zusätzliche Durchtrennung des Wadenbeins, keine Muskelablösung,
keine Beinlängenverkürzung, nur ein Knochenschnitt) in unserem Haus seit 1998 die open wedge Technik.
Dabei wird 3 bis 4 cm unterhalb des Kniegelenksspaltes das Schienbein von der Innenseite des Schienbeinkopfes kommend teilweise durchtrennt. Danach erfolgt mittels intraoperativer
Durchleuchtung die exakte Korrektur der Fehlstellung durch vorsichtiges Aufspreizen des Schienbeinkopfes. Die Stabilisierung erfolgt wiederum mit speziellen winkelstabilen Platten (Tomofix).
Bei den größeren Umstellungen (ab 12 mm Aufspreizung) wird der Knochenspalt mit vom Beckenkamm entnommener Spongiosa aufgefüllt, um eine schnellere knöcherne Durchbauung
zu erzielen. In der Regel kann das Bein 6 Wochen nach der Operation wieder voll belastet werden.
Die Umstellungsosteotomie am Kniegelenk ist mittlerweile ein standardiertes und komplikationsarmes Verfahren, das an unserer Klinik seit 2001 mehr als 1000fach durchgeführt wurde.
Neben der Valgisierenden Korrektur sind auch varisierende Korrekturen möglich (X zu O-Bein), auch komplexe Rotationsfehlstellungen des Beines werden in unserem Hause korrigiert.
Hierbei erfolgt nach vorheriger exakter computertomografischer Ausmessung der Fehlstellung entweder am Oberschenkel oder Unterschenkel (oder beiden Knochen) eine Durchtrennung des
betroffenen Knochens und nachfolgender Rotationskorrektur. Die Stabilisierung erfolgt mit speziellen winkelstabilen Plattensystemen.
Gelenkresezierende Massnahmen: Endoprothesen
Ist der Gelenkverschleiß (Arthrose) des Kniegelenks bereits zu weit fortgeschritten, bleibt nur die Implantation einer Endoprothese (sog. „künstliches Kniegelenk“).
Hierbei zu unterschieden ist, ob das ganze Kniegelenk betroffen ist oder nur eine Teil (Kompartiment) des Knies. Entsprechend dieser Unterscheidung gibt es verschiedene Operationsverfahren.
In der Folge stellen wir die Therapie der häufigen, isolierten medialen Gonarthrose vor (Knieschmerzen innen).
Schlittenprothesen (Teilprothesen)
In der überwiegenden Anzahl der Fälle beginnt die Abnützung des Gelenkknorpels im medialen (inneren) Kniegelenkskompartiment. Das laterale (äußere) Kompartiment sowie
das Kniescheibengelenk bleiben sehr lange unversehrt.
Bei isolierter medialer Gonarthrose und intaktem vorderen Kreuzband stellt die teilprothetische Versorgung des betroffenen Gelenkes die Therapie der Wahl dar.
Die Vorteile dieser Methode sind beträchtlich. Da die gesunden Anteile des Kniegelenkes erhalten bleiben, kann eine weitgehende Wiederherstellung von Kniebeweglichkeit und Funktion
erzielt werden. Der Zugang zum Kniegelenk erfolgt über einen kleinen (ca 8cm langen) Hautschnitt. Eine Durchtrennung gesunder Kniegelenkstrukturen, insbesondere des Oberschenkelmuskels,
unterbleibt.
Die postoperativen Schmerzen sind daher vergleichsweise gering. Zudem kann die Mobilisierung der Patienten sehr schnell erfolgen. Eine stationäre Anschlußheilbehandlung ist in
vielen Fällen nicht nötig. Die meisten Patienten können nach ca 1 Woche Krankenhaus nach Hause entlassen werden.
Wir verwenden seit 2005 als unicondyläres Kniesystem („Schlittenprothese“) das Oxford Knie.
Im Gegensatz zu den meisten anderen Schlittenprothesen weist das Oxford Knie eine bewegliches Polyethyleninlay („Kunstoffteil“) auf, welches zwischen der femoralen und
tibialen Metallkomponente der Prothese gleitet. Durch diese freie Beweglichkeit kommt es anders als bei den Prothesen mit festimplantierten Polyethyleninlay nur zu sehr geringen
(„Kunststoff“-)Abriebsverlusten.
Dies ist aus unserer Sicht ein Grund für die sehr lange Haltbarkeit der Prothese. Diese beträgt nach verschiedenen internationalen Stduien zwischen 95 und 98% bei einer Standauer
von 10-15 Jahren.
Seit 2005 sind in unserer Klinik mehr als 600 Oxfordprothesen implantiert worden. In den meisten Fällen werden die beiden Metallkomponente am Unterschenkel und Oberschenkel
(tibial und femoral) einzementiert.
Seit 2008 werden in bestimmten Patientengruppen (z. B. jüngere Männer) die Prothesenkomponenten auch nicht zementiert implantiert. Wir gehen davon aus, das dadurch die Standdauer
der Oxford Prothese weiter erhöht werden kann.

Beispielbild Schlittenprothese:
Patient mit isolierter medialer Arthrose (Abb. 1) und nachfolgender operativer Versorgung mit einer Oxford-Prothese (Abb. 2 + 3)
|