Kortison
Sechs Regeln für die Langzeit-Therapie

Patienten beurteilen Kortison oft sehr zwiespältig. Wie Sie das Mittel besser vertragen und die Therapie effektiver machen

„Kortison macht die Knochen kaputt. Das Gesicht wird aufgedunsen, und die Körperkraft schwindet.“ So denkt laut einer Erhebung von Psychologen der Universität Bremen jeder zehnte Asthmapatient. Tatsächlich können Kortisonpräparate bei längerer hoch dosierter Einnahme diese Nebenwirkungen haben, betont Professor Harald Klein, Chefarzt der Klinik für allgemeine innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologie der Klinik Bergmansheil der Ruhr-Universität Bochum und Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (Hormonwissenschaft).

„Man sollte aber unterscheiden: Wer zum Beispiel Kortisonpräparate als Inhalationsspray verwendet, muss nicht mit den genannten Nebenwirkungen rechnen. Es ist erwiesen, dass bei der Inhalation moderner Wirkstoffe nur ein Bruchteil der eingesetzten Dosis in den Blutkreislauf gelangt. Es besteht auch ein großer Unterschied zwischen der quasi nebenwirkungsfreien und lebensnotwendigen niedrig dosierten Kortikoid- Ersatztherapie – sie wird beispielsweise beim Ausfall der Hirnanhangsdrüse oder der Nebenniere nötig – und einer hoch dosierten Behandlung. Werden tatsächlich längerfristige hoch dosierte Behandlungen nötig, muss sorgfältig zwischen den Vor- und Nachteilen abgewogen werden.“

Regeln für die Langzeit-Therapie
Neben dem vor knapp 60 Jahren erstmals eingesetzten körpereigenen Hormon Kortisol, auch als Hydrokortison bezeichnet, verwenden Ärzte noch andere Kortikoide, die durch chemische Veränderung von Kortison hergestellt werden. Diese synthetischen Stoffe unterscheiden sich leicht hinsichtlich Wirkdauer und der -stärke vom natürlichen Kortisol. Leider ist es bis heute nicht gelungen, ein Kortikoid herzustellen, das nur positive, entzündungshemmende Wirkung hat. Deshalb sind Probleme möglich, wenn der Patient Kortikoide über mehrere Monate in höherer Dosierung einnehmen muss. Zum Glück lässt sich jedoch viel gegen unerwünschte Wirkungen unternehmen.

1. Bewegen Sie sich
Körperliche Aktivität mindert drei unerwünschte Folgen einer Kortikoid-Therapie: Das Knochengerüst wird stabilisiert, der Abbau von Muskeleiweiß verlangsamt sich, der Zuckerstoffwechsel wird günstig beeinflusst. Bewegung wirkt also dem mit der Kortikoidtherapie verbundenen Blutzuckeranstieg entgegen, das Risiko eines therapiebedingten Diabetes sinkt.

2. Halten Sie Ihr Gewicht
Weil Übergewicht neben Bewegungsmangel der Hauptrisikofaktor für Diabetes ist, müssen Patienten darauf achten, dass ihr Gewicht normal bleibt, rät Klein. „Wer übergewichtig ist, sollte dringend abnehmen. Dazu kann es nötig sein, dass man vorübergehend die Kalorienzufuhr kontrolliert.“

3. Schützen Sie Ihre Knochen
Nicht immer reichen Bewegung und Milchprodukte aus, um die Knochen stabil zu halten. Deshalb sollte der Arzt regelmäßig die Knochendichte messen. Bei Patienten, die langfristig Kortikoide einnehmen, übernimmt laut Aussage der kassenärztlichen Bundesvereinigung die Kasse die Kosten. „Ist abzusehen, dass der Patient für mehr als ein halbes Jahr ein Kortikoid oberhalb einer gewissen Mindestdosis einnehmen muss, sollte der Arzt ein Präparat mit dem Wirkstoff Etidronat, Risedronat oder Alendronat verordnen“, empfiehlt Prof. Dieter Felsenberg, Gründer und Leiter
des Zentrums für Knochen- und Muskelgesundheit der Freien Universität Berlin.

4. Ernähren Sie sich richtig
Gegen den Verlust von Knochen- und Muskelmasse wirkt in erster Linie Bewegung, aber auch die Nahrung hat einen gewissen Einfluss. Ernähren Sie sich ruhig etwas eiweißreicher, als es allgemein empfohlen wird. Besondere Bedeutung haben Milch und Milchprodukte, die dem Körper neben dem Eiweiß zusätzlich Kalzium liefern. Weil Kortikoide die Ausscheidung von Kochsalz verringern, sollten Sie mit Salz sparsam umgehen. Günstig ist es, wenn die Kost viel Obst und Gemüse enthält.

5. Seien Sie zuverlässig
Die Bildung und Abgabe von Kortisol in den Blutkreislauf erfolgt nach einem festen Tagesrhythmus: Morgens gegen sechs Uhr schüttet die Nebennierenrinde große Mengen aus, am Nachmittag ein zweites Mal. In der Nacht sinkt der Kortisolspiegel stark ab. Eine Kortikoidtherapie verträgt der Körper am besten, wenn sie im Einklang mit diesem Rhythmus durchgeführt wird. Als allgemeine Empfehlung gilt: Patienten sollten die gesamte Tagesdosis morgens vor acht Uhr einnehmen. Nur wenn es der Krankheitsverlauf erforderlich macht, ist eine weitere Dosis am Abend nötig.

6. Machen Sie keine Alleingänge
Eine langfristige hoch dosierte Kortikoid- Therapie drosselt die körpereigene Kortisolbildung. Wenn der Patient das Medikament eigenmächtig von heute auf morgen absetzt, sind lebensbedrohliche Stoffwechselstörungen möglich, denn Kortisol ist lebenswichtig, um den Stoffwechsel aufrechtzuerhalten. Sie sollten sich also beim Absetzen der Arznei immer genau an die ärztliche Vorschrift halten. Aus diesem Grund wird hierbei auch die Dosis ganz allmählich reduziert, um die körpereigene Kortisol-Produktion wieder zu normalisieren.

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(Bildnachweis: Foto:PhotoDisc)

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