Neurodermitis
Oft sind Nahrungsmittelallergien schuld
Juckende und entzündete Hautstellen quälen schon Babys – meist vertragen sie bestimmte Lebensmittel nicht
Bei den betroffenen Kindern unter zwei Jahren ist die häufigste Ursache der Neurodermitis eine Nahrungsmittelallergie. Entgegen der früheren Vorstellung, dass es sich dabei ausschließlich um Milch- und Eiweißallergien handelt, ist heute bekannt, dass im Grunde unbegrenzt viele Nahrungsstoffe als Auslöser in Betracht kommen. Neben Milch, Ei, Fisch oder Weizen entlarven Studien aus vielen Ländern auch Soja, Erdnuss und – wie in Finnland- die bisher als harmlos eingestufte Kartoffel als Allergene. Der Fachausdruck für die Sensibilität kleiner Neurodermitiker auf Lebensmittel lautet „multiple food protein intolerance“. Mediziner machen sie heute für mehr als 80% der Symptome verantwortlich.
Die Mehrzahl der Nahrungsmittelallergien treten unmittelbar ein. Es gibt aber auch „verspätete“ Formen, bei denen die Hautreaktionen erst Tage nach dem Konsum des problematischen Stoffes auftreten können. In der Diagnostik wird in einem Provokationstest unter ärztlicher Aufsicht der Zusammenhang zwischen Symptom und betreffendem Nahrungsmittel überprüft. Standard-Hauttests für Allergien (Prick- und Epikutantest) haben sich leider als relativ unzuverlässig herausgestellt.
Die Therapie nach einem positiven Provokationstest ist dann prinzipiell einfach: auslösende Nahrungsmittel (so genannte „Triggerfaktoren") werden durch gut tolerierte Nehrungsmittel ersetzt. Reagiert das Kind auf viele Substanzen, ist eine enge Zusammenarbeit mit einer Diätikerin notwendig.
Immer mehr Kinder bekommen Neurodermitis
Die Neurodermitis (auch allergisches Ekzem oder atopische Dermatitis) ist eine der häufigsten Hauterkrankungen. In Deutschland leiden zwischen 3,5 und 5 Millionen Menschen unterschiedlich stark unter der chronischen Hauterkrankung, die Häufigkeit nimmt zu. Schulkinder sind bis zu 10 %, Kleinkinder unter zwei Jahren sogar bis zu 20 % betroffen, wobei Lebensführung und Umweltbelastung zu örtlichen Schwankungen führen können.
Die Neurodermitis ist gekennzeichnet durch Ekzeme, Juckreiz und sehr trockene Haut. Neurodermitis tritt in Schüben auf, zwischen denen relativ beschwerdefreie Intervalle liegen können. Die chronische Erkrankung ist nicht ansteckend. Neurodermitis gilt als nicht heilbar im medizinischen Sinne. Der Betroffene kann in vielen Fällen Symptomfreiheit erreichen.
Fachleute nehmen heute an, dass bei manchen Menschen die genetische Ausstattung zu einer „Atopieveranlagung“ (Sensibilität für Erkrankungen wie Allergien, Heuschnupfen, Neurodermitis oder Asthma) führt und letztendlich Umweltfaktoren darüber entscheiden, ob aus einer Veranlagung eine Krankheit wird. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Mutter Neurodermitis vererbt, ist etwas höher als die Wahrscheinlichkeit der Vererbung durch den Vater.
Neue Therapieansätze in der Haut-Behandlung
Die meisten Patienten benötigen während der entzündlichen Schübe eine antientzündliche Therapie. Die seit zwei Jahren in Deutschland zugelassenen topischen Immunmodulatoren (TIM) (entwickelt für die Transplantationsmedizin zur Verhinderung einer Abstoßungsreaktion) bieten eine mögliche Alternative zu Kortison.
Tacrolimus und Pimecrolimus, derzeit die am besten untersuchten Substanzen, können die entzündlich veränderte Epidermis durchdringen und die zahlreichen an der Entzündung beteiligten Zelltypen hemmen. Im Gegensatz zu Kortison wird die Kollagensynthese nicht beeinflusst und die Haut atrophiert nicht. Dies ist vor allem bei der Behandlung der oft betroffenen Augenlider ein Fortschritt in der Therapie. Da es bisher noch keine Langzeitstudien gibt, ist aber auf einige Prophylaxen, zum Beispiel auf konsequenten Lichtschutz zu achten.
idw/BabyundEltern.de
(Bildnachweis: Foto: Digital Vision)
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