Wirbelknochen
Schmerzfrei mit Zement

Gegen lähmende Rückenschmerzen kann ein neues Verfahren helfen

Im Kampf um Schmerzfreiheit und Mobilität kann Patienten mit Osteoporose oder Tumoren an der Wirbelsäule die Vertebroplastie helfen. Dabei spritzen Radiologen in die kranken Wirbel einen speziellen „Knochenzement“, der fast identisch ist mit den bei Gelenksersatz-Operationen schon seit langer Zeit eingesetzten Zementarten.

Die Wirbelsäule wird stabilisiert
Knochen geben bei Osteoporose oder Tumorbefall in ihrer Festigkeit nach. So ist die Wirbelsäule nicht mehr belastbar und einzelne Wirbelkörper können brechen – oft reicht schon das Heben eines schweren Gegenstandes oder ein leichter Sturz. Die Folgen sind massive Schmerzen, die häufig auch mit starken Medikamenten nur schwer behandelbar sind. „Besonders die Knochenhaut reagiert schmerz- empfindlich auf Druck- oder Zugbelastung. Wir wollen in erster Linie die Wirbelsäule stabilisieren und damit die Schmerzen reduzieren. Die Patienten benötigen dann nur noch wenige oder keine Schmerzmedikamente mehr“, sagt Dr. Kai Wilhelm von der Radiologischen Universitäts- Klinik Bonn, einem der wenigen Zentren in Deutschland, das diesen schmerzlindernden Eingriff durchführt.

Patienten sind in der Regel schnell schmerzfrei
Die Radiologen schieben unter Röntgen-Kontrolle eine Hohlnadel in den verformten Wirbelkörper und spritzen Knochenzement in den porösen Knochen ein. Der zähflüssige Zement verfestigt sich nach wenigen Minuten und stabilisiert den Knochen. Oft verspüren die Patienten schon kurz nach der Behandlung eine Schmerzlinderung. Komplikationen sind nach Aussage der Ärzte selten. „Gerade für die Krebspatienten ist die Mobilität wichtig, denn dadurch können Komplikationen durch zu langes Liegen vermieden werden. Dabei muss die Vertebroplastie in die Tumorbehandlung mit Chemo- und Strahlentherapie integriert werden“, erklärt der Privatdozent.

Hilfe gegen den Witwenbuckel
Ist zusätzlich die Wirbelkörper-Hinterkante von der Fraktur betroffen, wird die Vertebroplastie nicht eingesetzt. Denn dann besteht die Gefahr einer Querschnittslähmung durch unkontrolliert ausströmenden Knochenzement, der das Rückenmark einengt. Eine neue Methode hilft Osteoporose- Patienten nun auch in diesen Fällen. „Bei der so genannten Ballon-Kyphoplastie schafft ein Ballon-Katheter einen Hohlraum und ermöglicht uns so, den Knochenzement gezielt einzuführen“, sagt Radiologe Wilhelm. Bei frischen Frakturen kann dieses Verfahren sogar die Wirbelsäule leicht wieder aufrichten. Ein kleiner Hoffnungsschimmer für ältere Menschen mit einem durch Osteoporose verursachten Rundrücken, auch „Witwenbuckel“ genannt.

idw/Apotheken Umschau/GesundheitPro.de

(Bildnachweis: Illustration: W&B/ Szczesny)

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